Heute - 13. Juli - wir sind im BC und die Spannung ist groß.
In der letzten Woche ist viel passiert auch wenn sich außer unseren BC-Zelten auf der Moräne nicht viel bewegt hat. Wir haben deutlich zu spühren bekommen, warum 50 Tage Expeditionsdauer nicht nur das Sicherheitspolster für die Akklimatisation darstellen, sondern im Karakorum auch als Wetterpuffer dienen. Seit der Einrichtung unseres Depots in Lager 2 auf 6650m (am 2. Juli) hängen wir im BC fest. Starke Südwinde in den höheren Bergregionen, täglicher Schneefall bis ins BC und wechselnde Wetterbedingungen, die Voraussagen über Sonne, Schnee, Regen und Nebel für nicht mehr als 30 Minuten möglich machen, haben einen ersten Gipfelversuch bisher vereitelt. Ein Aufstieg bis Lager 2 wäre zwar sicher häufiger möglich gewesen, aber die 900 Hm dann zum nächsten Lager hätten wir nie geschafft.
Das Gelände über Lager 2 legt sich etwas zurück, so daß die Wege länger werden. Eine große Schneemulde, die sich bis auf 7800m direkt in die Scharte unter dem Vorgipfel zieht, bestimmt den Weg. Da wir in der Lee-Seite des Broad Peak aufsteigen, hat sich in dieser Mulde sicher viel Schnee angesammelt, was die Spurarbeit - zusammen mit dem Wind und den Temperaturen - zur größten Herausforderung unseres Aufstiegs machen wird. Robert und die Hochträger haben bereits bei unserem "Depotanstieg" zu Lager 2 viel geleistet - bei unserem bevorstehenden Gipfelversuch hoffen wir, daß möglichst viele von uns die Kraft zum Spuren haben.
Aber zurück zu den vergangenen Tagen seit dem letzten Newsletter. "News" waren auch für uns die bestimmenden Dinge der Tage. Der Wetterbericht der kommenden 5 Tage schlägt immer pünklich um 1 Uhr mittags bei uns auf. Seit dem ersten Bericht vom 6. Juli werden 5 schlechte Folgetage angekündigt. Die Umstände, daß das K2 Basislager denselben Bericht bekommt wie wir und daß die Prognose für den gerade jetzigen Tag, den wir selbst beobachten können, immer ziemlich genau stimmt, machen alle Versuche den Wetterbericht zu ignorieren und zu verdammen, zunichte. 5 Tage lang prognostizierte der Wetterbericht steigende Windgeschwindigkeiten in 8000m Höhe (bis zu 120 kmh) und steigende Luftfeuchtigkeit bei Tagestemperaturenh um -20°C. Und immer diese Vorausprognose für ganze 5 Tage.
Der K2 vom Broad Peak Basislager aus gesehen.
Zuerst wurde in gemeinsamer Diskussion die Möglichkeit eines zweiten Gipfelversuches gestrichen - um den einen Versuch, auf den sich nun alles konzentriert, so weit wie möglich nach hinten schieben zu können. Dann wurden Alternativen mit Puffertagen diskutiert, um nutzen zu können, daß wir bereits in höheren Lagern am Berg sind, falls der Wetterbericht doch noch "drehen" sollte. Damit müßte der Wetterbericht nur für 2 Tage stimmen und nicht für ganzen 5 - leider stimmt er bisher auch immer für alle 5. Verkürzung unserer Rückreise nach Islamabad, Verlängerung der Expedition, Gemeinschaftsarbeit mit der koreanischen Expedition am Berg - und vieles Andere wurde diskutiert. Unsere Expedition hat viel Flexibilität bewiesen und in allen Fragen immer gemeinsam entschieden. Rastlosigkeit hat sich in den vergangenen Tagen so
häufig mit Müdigkeit abgewechselt, wie Sonnenschein und Schneefall im BC.
Aber das Vertrauen einen gemeinsamen Versuch zum Ende unseres geplanten BC-Aufenthaltes zu starten hat die Stimmung gehalten. Von den insgesamt 13
Expeditionen in Pakistan in diesem Jahr (in vergangenen Jahren waren es 70-80) haben 5 bisher abgebrochen - 6 verbleiben am K2 und 2 am Broad Peak.
Das aktuelle Wetter und zu viel Schnee in den höheren Bergregionen waren die Hauptgründe für Abbrüche am K2, Broad Peak, GI, GII und GIV in den
vergangenen Tagen.
Wir hatten das Glück, daß so mancher "alter Hase" in unserer Expedition bereits mehr als 25 Tage in einem Basislager am Baltoro bei Schneefall festsaß und so immer wieder unsere noch relativ positive Lage betonen konnte. Und dann - vor 3 Tagen - gab es wirklich den ersten wettertechnischen Lichtblick. Am Mittwoch
prognostizierte der Wetterbericht für den fünften Tag einen leichten Umschwung. Sinkende Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeiten in der Gipfelregion wurden durch die folgenden Berichte bestätigt und bildeten sogar einen leicht positiven Trend. So denn der Bericht immer noch wahr wird, erwarten wir die Besserung nun in 2 Tagen
und unseren Aufstieg zu Lager 1 haben wir für morgen früh geplant. Die Motivation hat ein deutliches Zwischenhoch erreicht und wir hoffen alle, daß Schneetiefe und Spurarbeit oberhalb von Lager 2 kein Tief heraufbeschwören. Die Rucksäcke sind gepackt, die (Steig) Eisen gewetzt und der Umstand, daß wir die erste Expedition sind, die Richtung Gipfel aufbricht hält die Erwartungen auf realistischem Niveau.
Feier im Broad Peak Basislager anlässlich des Geburtstags Aga Khans
Als Einstimmung auf das (hoffentlich) bessere Wetter hatten wir dann vor 2 Tagen - am 11. Juli sogar eine Einladung zum Feiern. Von Henri Todd's K2 Expedition aufgefordert, hatten wir die Möglichkeit im K2 Basislager an den Feierlichkeiten zum 45. Jubiläum des Amtsantritts Aga Khan's teilzunehmen. Zwar weilt der Religionsführer der Ismaeliten derzeit in Paris, aber trotzdem kamen rund 90 Gäste zusammen, die bei etwa 0°C und leichtem
Schneefall, auf dem Goodwin-Austen Gletscher ein üppiges Buffet aufbauten und etwa 2 Stunden lang zu Trommelmusik in 5000 m Höhe tanzten.
Grüße aus dem BC/Broad Peak und bis zum nächsten Newsletter vom gesamten Expeditionsteam