Wacht man morgens im BaseCamp auf, so sind zwei typische Geräusche zu hören: links der Mittelmoräne tost ein Schmelzwasserbach, dessen Überquerung am
Nachmittag besonders heikel ist, durch eine der Gletscherrinnen, rechts ist das stetige Brummen der beiden zweiflammigen Kerosinkocher im Küchenzelt
zu hören, in dem gewissermassen rund um die Uhr für unser leibliches Wohl gesorgt wird. Unsere Broad Peak-Expedition stützt sich auf eine ganze
Infrastruktur im Hintergrund.
Ein wesentlicher Teil davon seit dem Baltorotreck und seit unserer Ankunft im Basislager ist natürlich die Küche,
genauer die Küchenmannschaft, die um ein reichhaltiges und gutes Essen besorgt ist: Frühstück, Mittagessen, Tee und Abendessen. Es sind dies Mohammad
Baqir (28), Chefkoch aus dem Weiler Machulo bei Khapalu im unteren Hushe-Tal; er ist seit vielen Jahren auf Trekkings und Expeditionen dabei;
Fida Mohammad (48), Beikoch, ebenfalls aus Machulo und auch schon lange im Geschäft; dazu kommt Mohammad (49), Küchenhelfer - dabei Meister der
Tschappatiherstellung und der Bata-Fladen-Produktion. Er stammt ebenfalls aus Machulo und ist auch schon lange dabei. Sultan Shahnawaz (32) ist für den
Service im Messzelt des Basislagers zuständig, stammt aus Khanabad in Lower Hunza und wird von Assadullah Gulshah (20) aus Aliabad in Centre Hunza
stammend, unterstützt.
Ebenfalls im Basislager eine Rolle spielt Riaz Akonkuz (33) aus Alibad in Centre Hunza. Er ist unser Guide und Base Camp Manager, kann ganz gut deutsch,
hat bei einigen von uns den Spitznamen "Der Massai" weg (ob seiner Körpergösse und weil er eine schöne braune Webdecke um die Schultern trägt) - und er
hat gestern abend überlegen das UNO-Turnier gewonnen!
Kurz: die Annehmlichkeiten des Basislagers haben wir erneut schätzen gelernt, nachdem wir vom 1.7. - 3.7. unseren zweiten grösseren Vorstoss am Broad
Peak unternommen haben. Montag morgen (1.7.) gegen 5 Uhr ist Robert (über den man auf der AmicalAlpin-Homepage Näheres erfahren kann)
mit den Hochträgern nach Lager 1 (6.160m) aufgebrochen; sie haben die Fixseile teilweise neu verlegt, Zelte und Material aus dem ABC-Lager nach oben geschafft
und dort in mühevoller Arbeit Plattformen für die Zelte des Lagers 1 ausgearbeitet.
Lager 1 liegt noch phantastischer als das Krähennest des ABC: auf einem
schotterbedeckten Gratrücken, relativ steil ansteigend, befinden sich übereinander gereiht einige Zeltplattformen, die teilweise mittels abrutschbedrohter
Steinmäuerchen, teilweise durch Aushacken des darunter liegenden Eises gewonnen werden. Die Aussicht ist bestechend an diesem und dem nächsten Tag: links
die Chogolisa, der Laila Peak, rechts davon die Vasallen der Masherbrum-Gruppe, mitten drin die steile Spitzpyramide des Masherbrum (7.821m), dann - welch
eine Überraschung! - am Horizont scherenschnittgenau das riesige, geschlossene Massiv des Nanga Parbat in ca. 200 km Entfernung. Rechts die Berge rund ums
Base Camp (Marble Peak, die Khalkal Ridge, der Savoia Kangri) - und dann der Chogori, der "grosse Berg", der K2 genannt wird, an dessen Präsenz wir uns
längst gewöhnt haben, ohne uns an seine riesenhafte, ebenmässige Gestalt je gewöhnen zu können.
Beim Ausschaufeln der Plattformen im Hintergrund der K2
Der Aufbau der Lagerkette in dieser Höhe, das Verlegen der Fixseile und das leidige, kräftezehrende Spuren (der Schnee verdichtet sich nicht zu tragfähigem,
geschlossenen Firn, sondern hat eine ca. 10 cm starke Harschdecke und darunter strukturloser Mulm) nehmen uns Robert zusammen mit den pakistanischen
Bergsteigern, die als High Porter bezeichnet werden, ab. Es sind dies Qudrat Ali (31) aus Shimshal in Upper Hunza; er hat schon mehr als einen 8.000er
auf dem Buckel - unter anderem erfolgreiche Besteigungen des Broad Peak, Gasherbrum II und des Nanga Parbat mit Amical - und ist aus früheren NewsLettern
von Amical manchen wohl schon ein Begriff;
Qudrat Ali - Hochträger aus Shimshal Eine Aufnahme vom Nanga Parbat 2001
sein Freund Shaheen Beg (31), ebenfalls aus Shimshal und bereits sehr erfahren. Dann Rassulullah (33), der im Weiler Korphe gegenüber von Askole auf der
anderen Flussseite des Braldo River lebt. Auch er hat schon etliches an Erfahrungen als High Porter gesammelt. Neu im Geschäft, also gewissermassen Azubi,
ist Karim Baki (22), der wie die ersten beiden auch aus Shimshal (dem Chamonix Nordpakistans) stammt.
Am Dienstag Morgen (2.7.),versicherte Robert mit Qutrad und Shaheen,den ersten Teil des Durchstiegs nach Lager 2 ( ca.200 Hm) in teilweise Hüftiefen Schnee.
Die restlichen ca. 250 Hm, ein recht steiler Schneehang von ca. 35° Neigung, konnten ohne diese aufwändige Vorbereitung durchstiegen werden. Gegen 8 Uhr,
also noch vor der Zeit, ab der die Sonne die Schattseite des Broad Peak erreicht, wurde es zunehmend kälter und windiger. Erste böse Erfahrungen mit kalten
Fingern und Zehen blieben einigen von uns nicht erspart - welche Konsequenzen wir für die Gipfeletappe ziehen müssen, ist seither im Basecamp immer wieder
Gesprächsthema. Auf Lager 2 (ca. 6.650m) wurde lediglich ein Depotzelt aufgestellt,
Das Lager II am Broad Peak von 1999
einige Fotos geschosssen, kurz die Aussicht genossen und dann rasch der Rückweg in die "wärmere" Region des Lagers 1 gesucht: dort konnten wir uns in der
Mittags - und Nachmittagssonne denn auch in den 40° warmen Zelten wieder ordentlich aufwärmen... Kaum war die Sonne weg, fielen die Temperaturen natürlich
rasch ab und aus den Zelten ging nur noch, wer unbedingt musste. Der starke Wind nachts und die zweite Akklimatisierungs-Nacht auf Lager 1 ist nicht allen
in angenehmer Erinnerung geblieben. In rascher Folge stiegen denn wie geplant die meisten Teilnehmer schon sehr früh am nächsten Morgen bei noch gutem Wetter
ins Base Camp ab.
Von Südwesten her war bereits eine riesige schwarzblaue Schlechtwetterwand erkennbar; sie hat uns dann ab dem Abend des 4.7 mit Schneefall überzogen, der noch
bis am darauffolgenden Vormittag anhielt. Dazwischen ist Wetterberuhigung eingetreten, was die Spannung, wann denn der bevorstehende Gipfelversuch gestartet
werden könnte, merklich steigen lässt.Heut früh (Sonntag,06.07.) hatten wir im BC jedoch wieder 10 cm Neuschnee, und es schneit weiter. Wetterprognosen aus
Innsbruck und aus den USA werden per Satelittentelefon bzw. e-mail eingeholt und verglichen. Die Ergebnisse sind mit den Erfahrungen des Kochs: "Wenn keine
Wolke über der Chogolisa hängt, dann ist hier gutes Wetter!" abzugleichen. - Tja, und dann muss Robert - in Absprache mit den Teilnehmern - das berühmte goldene
Händchen in der Bestimmung des Start-Zeitpunkts beweissen. Wir jedenfalls hoffen auf stabiles Wetter für wenigstens vier Tage, nicht zu kalt und wenig Wind, bitte!
Grüße aus dem BC/Broad Peak und bis zum nächsten Newsletter vom gesamten Expeditionsteam