In den letzten Tagen seit dem letzten Newsletter ist so einiges passiert...
Wie geplant sind wir alle am 24. Juni zum ersten mal zum ABC (5665 m)
aufgestiegen, um Material zu deponieren und die erste wirkliche Bergluft zu
schnuppern. Wir kannten die Fotos, wir kannten den Blick vom BC - aber wie
es genau für uns aussah, sollte sich erst zeigen. Nach einer kurzen Nacht (3
Uhr wecken) und einem übersichtlichen Frühstück machten wir uns mit den
Stirnlampen bewaffnet auf, die 1-stündige Gletscherbruchquerung zum Einstieg
in die Westflanke des Broad Peak, in Angriff zu nehmen. Jeder hatte
persönliche Ausrüstung zu schleppen, was wir bereits auf den ersten 150 Hm
im Schotterhang unterhalb des Einstieges stark zu spüren bekamen.
Der eigentliche Einstieg - Beginn des Schnee- und Eisgeländes - befindet sich
auf ca. 5000 m. Gleich in der ersten Aufstiegsrinne war Schnelligkeit
gefragt, da es eine der lawinengefährdetsten Stellen des gesamten Aufstiegs
ist. Trotz der zuvor bekannten Steilheit fanden wir schwer zu unserem
Steigrhythmus. Das Gelände steilte sich mehr und mehr auf, bis der von uns
als "Killerhang" getaufe letzte Abschnitt zum ABC eine geschätzte Neigung
von 45° erreichte. Nach 4 Stunden Anstrengung und kurzer Pause deponierten
wir unser Material in einem von unseren Hochträgern aufgestellten Zelt. Den
ganzen Tag über war das Wetter sehr durchwachsen und alle Sicht war uns
verwehrt.
Die Fixseile brachten uns innerhalb von 50 Minuten zurück zum
Gletscherbruch und nach einer weiteren anstrengenden Stunde waren wir wieder
im BC. Hier fiel uns ein eigenartiges Naturphänomen auf, das wir uns bislang
noch nicht erklären konnten: während der morgendliche Weg von der
Mittelmoräne, auf der unser BC steht, durch den Gletscher zur Randmoräne und
weiter zum Einstieg relativ flott verläuft, zeigt sich beim umgekehrten Gang
durch den Gletscher, dass die Strecke plötzlich länger und beschwerlicher
geworden ist, weil sich scheinbar mehrere neuer Parallelketten steiler
Eiszacken dazugesellt haben...
Das Wetter verschlechterte sich zunehmend. Wir waren 3 Tage ans Basislager
gefesselt - der letzte bei schönem Wetter, diente dem Abwarten abgehender
Neuschneelawinen. Eine exzessive Schneeballschlacht aller BC-Bewohner
verkürzte uns die Wartezeit vor dem nächsten Aufstieg.
Am 28. Juni stiegen wir zum zweiten mal Richtung ABC auf, um dort die erste
Nacht zu verbringen. Die beiden Hochträger Qudrat und Shain sowie Robert
stiegen weiter durch teilweise Knie tiefen Schnee nach Lager 1 ( 6170m) auf
und versicherten die komplette Strecke. Fast alle anderen verbrachten eine
gute erste Nacht auf ABC. Knapp bemessene Plattformen für die Zelte, aus dem
Hang gewonnen mittels kleiner Stützmauern und mühevollem Einebnen,
kennzeichnen das ausgesetzt liegende ABC - nicht zu vergessen die Ausblicke
auf die umliegenden Bergriesen und auf die überdimensionierten Gletscher in
den Talbecken.
Am nächsten Tag stiegen die ABC-Schläfer dann zu unterschiedlichen Zeiten
zum Lager 1 auf, deponierten Material und stiegen wieder bis ins BC ab. Elli
und Tobias verbrachten eine zweite Nacht auf ABC, Thomas und Christoph ihre
erste. Der Weg zu Lager 1 war etwas abwechslungsreicher als zum ABC.
Steilere Passagen in zum Teil knietiefem Neuschnee machten die ca. 500 Hm
zur echten Herausforderung. Die Frühstarter konnten gegen 5:30 Uhr die
Spitze des Masherbrum I in der Morgensonne gleißen sehen.
Um den ausgesetzten Lagerplatz letztendlich zu erreichen, mußten wir noch einen 15
m Steilaufschwung meistern. Gleichzeitig (etwa gegen 7:30 Uhr) kamen uns die
Lager 1 Schläfer im Abstieg entgegen. Das Lager bietet einen phantastischen
Rundblick auf K2, Concordia und das gigantische Gletscherpanorama ca. 1300 m
unter uns. Die Nordseite des Lagerplatzes bricht senkrecht und verwächtet
zum Godwin-Austen Gletscher hin ab.
Der 30. Juni ist Ruhetag für alle und wir haben 38 Daumen zum Drücken für
unser WM-Finale. KW-Empfänger und 5 m Antenne sorgen für klaren Empfang -
Power kommt wie immer von AMICAL alpin.
Wenn das Wetter hält, steigen wir morgen die gesamte Distanz bis Lager 1
auf, schlafen dort und hoffen am Folgetag dann bereits Material auf Lager 2
(ca. 6900m) deponieren zu können. Dabei soll der Weg bis in diese Höhe
versichert werden. Geplant ist eine weitere Nacht auf Lager 1, gefolgt vom
Abstieg ins BC.
Grüße aus dem BC/Broad Peak und bis zum nächsten Newsletter vom gesamten
Expeditionsteam