Am Montag, den 15.7., starteten wir gegen 6 Uhr morgens mit gewichtigen Rucksäcken (Hochlagerausrüstung und
Wärmekleidung vor allem!) beladen zum Hochlager 1; Robert und die Hochträger waren bereits zwei Stunden früher
aufgebrochen mit der Absicht, über Lager 1 hinaus zu gehen und das Lager 2 weiter auszubauen.
Schon direkt am Einstieg führt die Normalweg-Route am Broad Peak steil nach oben.
Anders als im Wetterbericht angekündigt, erwartete uns kein halbwegs stabiler Tag, sondern ab 8 Uhr morgens leichter Schneefall,
etwas Wind und vor allem viele Wolkenbänke. Gegen 9.30 Uhr passierten wir das ABC-Lager, der Schneefall nahm deutlich zu und der Wind
meldete sich zur Stelle. Die Spurarbeit, die die Vorausgehenden übernommen hatten, war rasch zunichte; immer wieder mussten neue
Tritte in den recht grundlosen Schnee gestapft werden, jeder Einzelne musste spuren - aber das gehört dazu !
Zwischen 12 Uhr und 16 Uhr kamen schliesslich alle gut im Hochlager 1 an, Zelte wurden "bezogen", Schnee geschmolzen, etwas
zu trinken und zu Essen gemacht. Anders als geplant, befanden sich auch Robert und die Highporter im Lager.Da sie wegen des schlechten
Wetters nicht mehr nach Lager 2 gehen konnten. Obwohl es gegen Spätnachmittag aufklarte und der Wind nachliess, traf Robert die
schwierige und für alle Teilnehmer und ihn selbst auch schwerwiegende Entscheidung, aus Sicherheitsgründen auf einen weiteren
Vorstoss in Richtung Gipfel zu verzichten.
Angesichts der vorhergesagten eher prekären Wettersituation und des vorausgegangenen
Schneefalls während der fast 2wöchigen Schlechtwetterphase, der damit sehr wahrscheinlich gegebenen Lawinengefahr auf dem Weg
von Lager 2 nach Lager 3 sowie im ersten Teil der Gipfeletappe war diese Entscheidung in sich plausibel und nachvollziehbar, wenngleich
sie nicht von allen Teilnehmern vorbehaltlos geteilt wurde. Entsprechend kam es besonders gestern zur ausgiebigen Diskussionen
bezüglich der am Berg getroffenen Entscheidung. Zwei Teilnehmer machten von der Möglichkeit, selbständig und in eigener
Verantwortung weiter zu gehen, Gebrauch und stiegen am darauffolgenden Tag ins Hochlager 2 auf; mit dabei war auch ein kolumbianischer
Bergsteiger, der in der darauffolgenden Nacht den Versuch machte, allein zum Gipfel (oder besser: in Richtung des Gipfels) zu kommen,
aber wegen starkem Sturm und Triebschnee abbrach und nach Lager 2 zurückkehrte.
Alle Anderen stiegen bereits im Laufe des Dienstags ins Basislager ab. Dass die Enttäuschung über keinen echten Gipfelversuch
bei allen tief sitzt, ist nur zu verständlich. Und dass es diese Enttäuschung zu vielen Überlegungen führt, was
denn hätte anders sein oder anders laufen können oder sollen, ebenso - auch das gehört ja zu einer Expedition ! Eine
kleine Gruppe unseres Teams überlegte trotz des Abstieges nochmals starkt, am 17.07. nach ABC und am 18.07. zu Hochlager 2
aufzusteigen um dann evtl. am 19/20.07 einen Gipfelversuch zu unternehmen. Jedoch wurde dieser Gedanke durch das weiterhin schlechte
Wetter zunichte gemacht ...
Zwischenzeitlich laufen die Vorbereitungen zum Abmarsch aus dem BC auf vollen Touren, die Hochlager-Zelte werden getrocknet und
verpackt, die Kocher und Töpfe ebenso; die ersten Teilnehmer verstauen bereits ihre Ausrüstung. Morgen erwarten wir die
Träger und übermorgen, d.h. am 20.Juli werden wir zurück nach Skardu aufbrechen. Aber auch da spielt das Wetter wieder
eine entscheidende Rolle: wenn es halbwegs stabil ist, werden die Expeditionsteilnehmer den Rückweg nicht über den
Baltoro-Gletscher nach Askole einschlagen (allerdings die Träger mit dem Hauptgepäck schon), sondern über das
"Ali-Camp" am oberen Ghondokhoro-Gletscher, dann über den Ghondokhoro La (Passhöhe ca. 5.600m) steil hinab
ins hintere Hushe-Tal absteigen (hier wieder das erste Grün der Hochalmen!), um dann im Laufe des dritten Tags nach Hushe
(hier die ersten reifen Aprikosen des Jahres!) an die dortige Jeep-Piste zu gelangen. Über Khapalu am Shyok River geht es
dann ins K2-Motel nach Skardu zurück... Über die weiteren Rückfahrtmodalitäten wird angesichts der angespannten
Sicherheitslage nach genauer Prüfung in Skardu entschieden.
Vom Concordiaplatz kommend auf dem Vigne Gletscher. Im Hintergrund der K2 (8611 m) und der Broad Peak (8047 m, Bildmitte in den Wolken)
Träger im ersten Morgenlicht beim Aufstieg zum Gondokoro La
Zum letzten Mal grüsst Euch alle das "Newsletter-Redaktionsteam" von der Mittelmoräne des Goodwin-Austen-Gletschers;
direkt unterm Broad Peak und mit dem mächtigen K2 im Rücken (...der genau wie unser Berg seinen diesjährigen Expeditionen
wegen des schlechten Wetters wenig Gipfelchancen zu geben scheint...)!
Bis bald in Deutschland, der Schweiz, Kolumbien und der Türkei !!